Damit aus einem Notfall keine Krise oder Trauma wird

Auswirkungen von Notfällen, Krisen und Traumata auf den Arbeitsprozess
Professionelle Ausbildung „Special Assistance Team“ (S.A.T.)
Krisenkommunikation – Vorbereitet sein auf das Undenkbare
Kommunikation in existenziellen Krisen von Mitarbeitern
Implementierung „Betriebliches Notfallmanagement“

Trauma am Arbeitsplatz

Was als Trauma gilt

  • Ein psychisches Trauma ist eine seelische Erschütterung durch ein Ereignis mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, das bei fast jedem tiefe Verzweiflung auslösen würde (ICD‑10 F43.1).
  • Am Arbeitsplatz gehören dazu u. a. schwere Arbeits- oder Wegeunfälle, Überfälle, tätliche Angriffe, Suizide, plötzliche Todesfälle von Mitarbeitenden, Rettungseinsätze oder massive Gewalt‑ und Bedrohungssituationen.

Typische Risikoberufe

  • Erhöhte Risiken finden sich bei allen Blaulicht-Berufen, Militär, Intensivpflege, Notaufnahmen, Lokführer sowie bei Beschäftigten mit häufigem Kundenkontakt in Behörden, ÖPNV, Jobcentern oder Kaufhäusern.
  • Regelmäßig belastende Ereignisse, gleichzeitig aber oft noch keine strukturierte psychosoziale Notfallversorgung nach kritischen Vorfällen sehen wir in
    1. Mittelständischen Unternehmen
    2. KRITIS-Betreiber
    3. Krankenhäusern
    4. Pflegeheimen
    5. Banken und Sparkassen
    6. Sicherheitsunternehmen
    7. Verkehrsbetrieben
  • Auch „indirekt“ Betroffene, z. B. Augenzeugen eines Unfalls oder Mitarbeitende, die mit den Folgen konfrontiert sind, können traumatisiert werden.

Akute Reaktionen und PTBS

  • Unmittelbar nach einem Ereignis sind akute Belastungsreaktionen mit Desorientierung, Angst, Unruhe, Ein- und Durchschlafstörungen, Reizbarkeit und Konzentrationsproblemen normal und klingen bei vielen nach Stunden bis wenigen Tagen wieder ab.
  • Halten Symptome wie Flashbacks (wiederholtes Durchleben), Vermeidungsverhalten, emotionale Taubheit, anhaltende Angst, Depression oder Suizidgedanken länger an, kann sich eine PTBS entwickeln.

Arbeitgeberpflichten und Prävention

  • Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht und müssen traumatische Erlebnisse soweit möglich verhindern, z. B. durch Gefährdungsbeurteilungen, Unterweisungen, persönliche Schutzausrüstung und Schulungen im Umgang mit schwierigen Personen.
  • Für Tätigkeiten mit erhöhtem Risiko ist ein strukturiertes Notfallmanagement als Teil der Gefährdungsbeurteilung gefordert, das Abläufe, Zuständigkeiten und Anlaufstellen (z. B. soziale Ansprechpersonen, Traumaambulanzen, Psychotherapie) beschreibt.

Meldung und Unterstützung

  • Traumatische Ereignisse sollten dem zuständigen Unfallversicherungsträger gemeldet werden; je nach Fall über eine formelle Unfallanzeige oder eine formlose Meldung, damit Unterstützungsleistungen (z. B. Krisenintervention, Psychotherapie) greifen können.
  • Unfallkassen und Berufsgenossenschaften betonen, dass nicht nur direkt, sondern auch indirekt Betroffene Anspruch auf Unterstützung haben und Ereignisse intern dokumentiert sowie betroffene Personen identifiziert werden sollen.

Bedeutung betrieblicher Kultur

  • Ein wesentlicher Schutzfaktor ist  eine unterstützende Unternehmenskultur: zeitnahe professionelle Hilfe, Rückhalt im Team und ernsthafte, nicht bagatellisierende Reaktionen des Arbeitgebers.
  • Fehlende Unterstützung, Bagatellisierung oder Schuldzuweisungen gelten als Risikofaktoren, dass sich aus der akuten Reaktion eine längerfristige Traumafolgestörung entwickelt.

Notfall

Notfall

Die Hauptaufgabe einer Sicherheitsorganisation, wie z.B. der Arbeitssicherheit, besteht darin, Schadensereignisse zu verhindern und präventive Maßnahmen zum Schutz zu ergreifen.

Die Notfallorganisation hat die Aufgabe, im Falle eines Schadens schnell und effektiv zu reagieren und entsprechende Maßnahmen bereitzustellen.

Ein Notfall ist jede (unerwartete) Situation, in der Menschen, Tiere oder Sachwerte akut bedroht sind. Wenn ein Notfall eintritt, sind gut funktionierende Arbeitsabläufe häufig stark gefährdet, und Schäden an Personen, Umwelt und Gütern können entstehen.

Unternehmer werden immer wieder mit psychisch stark belasteten Mitarbeitern konfrontiert, insbesondere nach schweren Arbeitsunfällen. Viele Unternehmer hoffen, dass solche Situationen nie eintreten, und sind daher oft unzureichend vorbereitet.

Abhängig von der Schwere der belastenden Situation kann dies bei Betroffenen zu psychischen Schäden, langen Ausfallzeiten und Kündigungen führen. In solchen belastenden Situationen haben sich niedrigschwellige, spezialisierte psychosoziale Betreuungsangebote für Betroffene als äußerst hilfreich für beide Seiten erwiesen.

Prävention

Aufgrund von Schock, persönlicher Betroffenheit und extremer Belastung sind Unternehmensverantwortliche, wie zum Beispiel für Arbeitssicherheit, in Notfällen oft nicht in der Lage, den systematischen Ablauf adäquat zu organisieren.

Die Vorbereitung auf Not- und Krisensituationen erfordert den präventiven Aufbau von Lösungen, die im Ernstfall sofort einsatzbereit sind und dazu beitragen, weitere Schäden oder eine Eskalation der Situation zu verhindern.

Dies bedeutet, für den Fall der Fälle durch einen gut vorbereiteten Krisenstab in der Lage zu sein, etablierte interne und externe Netzwerke schnell zu aktivieren, um so die negativen Auswirkungen von körperlich und seelisch stark belastenden Situationen auf Mitarbeiter, Arbeitsabläufe und Unternehmen zu minimieren.

Kommunikation

Das Hauptziel der Unternehmenskommunikation besteht darin, Vertrauen, Sicherheit und Glaubwürdigkeit des Unternehmens zu stärken, insbesondere in Krisensituationen.

Eine professionelle Krisenkommunikation basiert auf offener Kommunikation mit Betroffenen, Behörden, Medien und der Öffentlichkeit während eines Notfalls.

Krisenkommunikation fordert Verantwortliche in hohem Maße. In der Ära der sozialen Medien kann unzureichende oder fehlende Krisenkommunikation bei Mitarbeitern, Kunden, Behörden und der Öffentlichkeit zu erheblichen Reputationsverlusten und gesteigertem negativem Bekanntheitsgrad führen.

Unternehmen, die auf Notfälle vorbereitet sind, werden in Krisenzeiten positiver wahrgenommen.

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