Vor kurzem saß ich in einem Hotel beim Frühstück und schaute mir die örtliche Zeitung an. Auf der vorletzten Seite standen einige Traueranzeigen wobei zwei Traueranzeigen herausstachen. Herausstachen deshalb, weil sie von einem ortansässigen Unternehmen geschaltet wurden, wo zwei Mitarbeiter verstorben waren.

Der ältere Verstorbene war bereits seit einigen Jahren im Ruhestand, der jüngere Mitarbeiter war bis zu seinem Tod lange im Unternehmen angestellt.

Beide Traueranzeigen standen unmittelbar nebeneinander, und erst beim lesen der zweiten Traueranzeige fiel auf, dass der Text identisch der ersten Traueranzeige war. Verändert war nur der Name, das Geburts- und Sterbedatum, sowie der Ort und Zeit der Beerdigung.

Eine Stunde später erwartete ich 12 Führungskräfte zum Seminar „Trauma am Arbeitsplatz“, legte ihnen die Traueranzeigenseite vor und wartete auf die Reaktionen. Selbstverständlich sah jeder sofort die beiden gleichlautenden Traueranzeigen und bevor das Seminar gestartet war, gab es schon jede Menge Diskussionen. Fazit nach 25 Minuten: „Das ist nur Standard! Das geht gar nicht“

Dieses reale Beispiel zeigt das eine noch so gutgemeinte Traueranzeige genau das Gegenteil bewirken kann. Jetzt könnten die Leser sagen: Na ja, das war ja nur die Meinung von 12 Menschen. Klar, richtig! Da diese Anzeige in einer Kleinstadt im ländlichen Umfeld, vom größten Arbeitgeber geschaltet wurde, ist davon auszugehen, dass sich die Meinung der 12 Führungskräfte auch in der Bevölkerung und bei den Mitarbeitern durchsetzt.

Genau das kommt immer wieder vor, übrigens unabhängig von der Unternehmensgröße. Selbst in Großunternehmen finden wir diese Standardtexte.

Traueranzeigen sind für Unternehmen eine gute Art der Abschiednahme und Ausdruck der Wertschätzung für die verstorbenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch in Zeiten des Internets und der Digitalisierung kommen geschäftliche Traueranzeigen bei Angehörige wie Mitarbeiter sehr gut an, Sie schauen sehr genau, ob, wer und was inhaltlich geschrieben wird.

Das WAS entscheidet, ob das Unternehmen von Angehörigen, den Mitarbeitern, der Bevölkerung und den Kunden in der Situation positiv oder negativ wahrgenommen wird.

Wertschätzend bewertet wird, wenn in der Traueranzeige einige positive Charakterzüge des Verstorbenen glaubhaft in den Text eingebaut wurden.

+++ACHTUNG+++

Nicht alle Textvorschläge die der Unternehmens- oder Personalleitung von Zeitungsredaktion oder Bestattern vorgeschlagen werden, müssen abgedruckt werden.

Einige Aussagen, wie sie oft in Traueranzeigen zu lesen sind, sollten möglichst vermieden werden:

  • „Sein Gedenken wird in uns ALLEN IMMER fortleben…!“
  • „In EWIGKEIT DANKBAR“ oder
  • „Wir werden sie IMMER im HERZEN behalten

Diese drei Beispiele stehen für die 99% der Fälle, die vom Leser und der Familie der verstorbenen Person als Floskel angesehen werden, weil in dieser schnelllebigen Zeit kein Mensch mehr glaubt, dass ALLE Arbeitskollegen IMMER und EWIG an den oder die Verstorbenen denken.

Die Unternehmensleitung und die Verantwortlichen sollten vor Drucklegung in sich gehen, und überprüfen, ob das so gemeint. Wenn nur ein Hauch von Floskel aufkommen sollte, empfehlen wir einen anderer Text.

Fazit: Augen und Herz auf bei der Textauswahl in Traueranzeigen. Beratung halten wir für sehr sinnvoll.