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Allgemein

Jetzt reicht`s mit der Trauer, oder?

Am Dienstag den 24. März 2015 stürzt um 10:53 Uhr ein Flugzeug einer deutschen Fluggesellschaft ab. 150 Menschen versterben. Eine Schockwelle wühlt die Republik auf. Wo es geht sind Kriseninterventionsteams vor Ort und stehen den betroffenen Familien unterstützend zur Seite. Mein Respekt gilt den Krisenhelfern! Diese erste Unterstützung in der Akutphase ist ungemein wichtig.

Kommunikation

Der Vorstand der Fluggesellschaft reagiert in seiner ersten Pressekonferenz wie folgt: „Das ist ein schwarzer Tag für die Lufthansa. Bei dem Flugzeug handelt es sich um einen A320.“ Erst im dritten Satz spricht der Vorstand den Angehörigen seine Anteilnahme aus. Zeitnah sagt ein Bereichvorstand: „Ich hätte nie gedacht, dass das mal passieren könnte!“

Wertschätzung sieht anders aus.

Die Kommunikation wird nur aus der Unternehmensperspektive geführt und nie aus Sicht der Betroffenen. Die Meldungen auf der Homepage der Germanwings zeigten deutlich, wie es um das Krisenmanagement der Fluggesellschaft bestellt ist. Am nächsten Tag druckt das Handelsblatt eine vernichtende Kritik über das schlechte Krisenmanagement der Fluggesellschaft ab. Mit meiner Einschätzung scheine ich nicht allein zu liegen.

Die Presse

Auch gibt es voreilige Meldungen der Presse, die mich immer wieder überraschen. Weil am nächsten Tag 56 Piloten nicht starten wollen, wird auf technische Probleme des A320 spekuliert. Dass die Piloten und ihre Crew auch trauern könnten und deshalb eventuell nicht in der Lage sind konzentriert ihrer Aufgabe nachzugehen, darauf kommt keiner. In diesem Fall war die Entscheidung der Piloten sehr vernünftig.

Viele Fragen

In der letzten Woche haben mich viele Sicherheitsingenieure und Unternehmensverantwortliche angerufen.

Die Fragen drehten sich immer um:

  • Was mache ich, wenn ein Mitarbeiter unseres Unternehmens verstorben wäre?
  • Wie kommuniziere ich den Tod des Mitarbeiters intern und extern?
  • Muss ich kondolieren? Wenn ja, wie?
  • Wer kann mir und meinem Mitarbeitern in der Situation helfen?
  • Was ist, wenn die Kriseninterventionsteams das Unternehmen verlassen haben? Wer hilft mir dann?

Am Freitagabend (nur drei Tage nach dem Flugzeugabsturz) sagen mir einige Sicherheitsingenieure: „Die Produktion muss weiter gehen. Arbeit ist die beste Ablenkung für Trauer.“

„Wenn wir auf Trauer Rücksicht nehmen würden, wäre das der Todesstoß der Abteilung“ ist eine ähnliche Meinung. Es wird auch nicht vor Todesmetaphern zurück geschreckt.

Dass keine Zeit für die Trauer da ist, erleben wir heute (sechs Tage später) auch in der Presse. In den Online-Portalen der großen Pressehäuser findet das Ereignis nur noch am Rande statt. Jetzt reicht`s mit der Trauer, oder?

Das die Aufarbeitung in den betroffenen Familien, in der Schule und in den Unternehmen – die Mitarbeiter verloren haben – jetzt erst beginnt, will kaum jemand wahr haben.

Was kommt danach?

Die meisten Kriseninterventionsteams sind wieder abgezogen. Betroffene Unternehmer, Personaler, Betriebsräte, Betriebsmediziner und Sicherheitsbeauftragte haben jetzt die Aufgabe sich um ihre trauernden Mitarbeiter zu kümmern. Der Anruf bei der Berufsgenossenschaft führt zur Erkenntnis, dass hier keine Hilfe zu erwarten ist. Wer als Verantwortlicher nicht vorbereitet ist, steht hilflos da.

Vorbild Sport

Vor vielen Jahren habe ich bei zwei der größten Marathonveranstaltungen hospitieren dürfen. Da auch beim Marathonlauf immer mal wieder Menschen versterben, wurde hier vorgesorgt. Schon damals hat es mich sehr beindruckt, dass die Veranstalter auf den Fall der Fälle, den Tod eines Läufers, vorbereitet waren. Es gab klare Kommunikationsanweisung und eine erste Pressemeldung, die individuell ergänzt werden konnte. Das nenne ich Professionalität.

 

22. Juni 2016/von uwelzel
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